• Susi Schildknecht-Gut

Was im 2020 geschah

In diesem Jahr, 2020, war die Rekonstruktion der Nase auf dem Plan. Normalerweise kann man mit der Stirne eine sehr gute Nase mit Eigengewebe wiederherstellen, da aber frühere, inkompetente Ärzte, einfach drauflos operierten, das Gewebe kaputt machten, war weder die Stirne noch sonst etwas im Gesicht für die Wiederherstellung zu gebrauchen. Es sah bereits so aus, dass ich nicht nur für das Auge eine Epithese brauche, sondern auch für die Nase. Doch, das Universitätsspital Basel, vor allem meine Ärzte, Prof. Haug und Prof. Kunz, geben alles für ihre Patienten. Prof. Haug ist eine Koryphäe, was komplexe Nasenrekonstruktionen anbelangt. Er erklärte mir, dass man mit Eigengewebe auf dem Unterarm eine Nase züchten könne, die dann nach zwei Monaten auf das Gesicht genäht werde. Na, dann mal los, war meine Antwort. Es wurde mir erklärt, dass die Nasenform bei einer Epithese etwas schöner werde als die Rekonstruierte. Mir war und ist aber lieber, eine nicht so schöne Nase zu haben, aber es ist mein eigenes Fleisch und Blut und ein Ersatzteil weniger im Gesicht.


Im Februar ging es dann in folgenden Schritten los:


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In einer fünfstündigen Operation Nase auf Unterarm gezüchtet.


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Vom 18. März bis 22. April war ich erneut im Spital. In einer 11 stündigen Operation wurde die Nase vom Unterarm ins Gesicht genäht. Zusätzlich verwendeten sie noch meine Rippen und Knorpel für die Nasenform. Danach konnte ich mich drei Tage fast nicht bewegen. Mir tat alles weh und ich war monatelang so schwach, wie noch nie in meinem Leben. In dieser Zeit brauchte es innert drei Wochen nochmals zwei Operationen.


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Im August wurde in einer Operation für die Nasenatmung ein „Loch“ gemacht. Medizinisch wird dies natürlich anders ausgedrückt, doch, ich als Laie darf so schreiben. 😊


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Damit dieses Atemloch sich nicht verschließt bzw. nicht zuwächst, wurden mir zwei ganz dicke Tamponaden in die Nasen gelegt. Dies war echt mühsam, konnte in dieser Zeit fast nichts essen. Ich war soooo froh, als diese Dinger nun im September auch in einer Operation entfernt wurden.


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Die ersten Komplikationen fingen an. In einer ambulanten lokalen Operation wurde ein Nasenflügel nachkorrigiert. Da es ein Loch auf der Nasenspitze gab, wurde dieses zugenäht.


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Im November nochmals eine ambulante Operation. Das Loch auf der Nasenspitze ist hartnäckig. Um zu vermeiden, dass es weiter entzündet, musste man ein „Rippli“ und Knorpel entfernen. Diese werden nun tiefgekühlt und später wieder eingesetzt, sobald sich die Nase erholt hat. Da fiel ich in ein psychisches Tief. Die Nase sah echt super aus. Viel schöner als ich es mir vorgestellt habe. Bald hätte ich die Nase nicht mehr verdecken müssen. Und nun dies! 😥


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Diese Woche, am 16.12.2020, eine weitere Operation. Die letzte in diesem Jahr. Da man die Labialfalte für die Nasenrekonstruktion brauchte, habe ich nun einen ganz schiefen Mund und auf einer Seite keine Labialfalte mehr. Dies wird nun am Mittwoch 16.12.2020 korrigiert. Ich bin froh, denn dies störte mich massiv!! Ich merkte auch, wie die Leute, wenn ich sprach, sofort auf meinen Mund schauten und mich fragten, ob ich ein „Schlägli“ gehabt hätte. Ich weiss, doofe freche Frage, doch was soll ich tun oder sagen, wenn solche voyeuristischen Bemerkungen kommen?


Wie geht es weiter?


Die entfernten Rippen und Knorpel werden nun nächste Jahr im Januar wieder eingesetzt.

Nächstes Jahr kommt dann auch endlich die Epithetikerin für das Auge zum Zug, so hoffe ich, denn eine Schwäche haben Ärzte allgemein: Ärzte können nicht planen, können nicht strukturiert vorausdenken. Das lernt man leider nur im Leben aber nicht im Studium.

Ich laufe nun seit 2018 mit halbem Gesicht herum. Ständig muss ich nachfragen, wann die nächste Operation denn nun sei, was als nächstes kommt usw. Antwort vom Arzt, „mal schauen“. Mit so einer Antwort fühle ich mich nicht immer ernst genommen und macht mich traurig.

Trotzdem bin ich dankbar, um meine zwei Engel von Ärzten. Prof. Kunz hat mein Leben gerettet! Er war der erste Arzt, der richtig und nachhaltig operierte. Er ist chirurgisch und menschlich ein Segen für die Patienten. Auch ehemalige Patienten von ihm schwärmen über seine Kompetenz und Empathie. Prof. Haug ist ein Künstler. Wie er am Unterarm eine Nase züchtet ist einfach genial! Auch die Nase selber sieht wirklich schön aus. Nun muss sie (die Nase) sich eben bis im Januar wieder etwas erholen.


Wie heisst es so schön:


Never ever give up!




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