• Susi Schildknecht-Gut

Endlich wieder eine Nase

Ich war vom 17.03.2020 bis mit 22.04.2020 im Spital. Nach der mehrstündigen Operation war ich zwei Tage auf der Intensivstation. Ich war froh, als ich die Intensiv–Abteilung verlassen konnte …

Die ersten zwei Tage hatte ich trotz Schmerztabletten solche Schmerzen, dass ich mich fast nicht bewegen konnte. Ich fühlte mich sterbenselend. Ich hatte Schläuche im Kopf und auch bei den Rippen, die das Blut abführten, damit es nicht zu Entzündungen kommen konnte. Und natürlich eine Infusion am Arm.

Erst ein paar Tage nach der Operation getraute ich mich, meine neue Nase anzuschauen. Die zwei Professoren haben ganze Arbeit geleistet. Sie war zwar noch total geschwollen und riesengross und glich eher einer Mike Tyson Boxernase. Doch ich wurde von den Ärzten gut vorbereitet und war gefasst, dass die Nase ein paar Monate braucht, bis sie in Form kommt. Doch wenn man ein paar Jahre ohne Nase war, fühlt sich auch eine Mike Tyson Nase herrlich an. 🙂

Zur Erinnerung:

Die Nase wurde im Februar auf dem Unterarm gezüchtet. Nun wurde sie vom Unterarm mit Rippen Leistenhaut, Silikon und Schädelknorpel ins Gesicht genäht.

Eine Woche später musste ich nochmals unters Messer. Da es im inneren der neuen Nase einen Hohlraum gab, der geschlossen werden musste, da es sonst zu Bakterienansammlung hätte kommen können. Bereits eine Woche später gab es nochmals eine kleine Operation. So geschlaucht ich auch war, nach den drei aufeinanderfolgenden Operationen, war ich sehr froh, endlich bei Ärzten zu sein, die bei Problemen, die nach einer Operation auftreten können, nicht einfach die Schultern zucken und von Abwarten reden bis es dann zu spät ist, sondern im richtigen Moment kompetent handeln und wissen, was zu tun ist.

Nun kam das grosse Zittern, ob die neue Nase vom Gewebe akzeptiert wird. Am Anfang wurde das Gewebe der Nase jede zweite Stunde auch in der Nacht mit einem Gerät untersucht, ob es noch „lebt“. Auch die Ärzte kamen jeden Tag und kontrollierten meine Nase sehr genau.

Die Nase wurde vom Gewebe akzeptiert. Grosse Mühe machte mir, dass ich nicht durch die Nase atmen konnte. Dadurch bekam ich zu wenig Sauerstoff und erwachte jeden Morgen mit Kopfweh und einem ausgetrockneten Mund.

Ab der dritten Woche konnte ich dann mit einer Physiotherapeutin einige Übungen machen. Es ist schon nicht einfach, wenn man sich gewohnt ist, sonst Hanteln im Fitnesscenter zu stemmen und nun mit Mühe und Not ein Gummi Band etwas in die Länge zieht.

Meine neue Nase machte und macht mir Freude. Sie entfernt sich immer weiter weg von einer Mike Tyson Boxernase. Es wird nach zwei Monaten noch optische Nachkorrekturen geben, damit sie nicht mehr so «klobig» aussieht. Doch, ich bin einfach glücklich und dankbar, was meine Ärzte im Unispital Basel - allen voran Prof. Haug und Prof. Kunz - geschaffen haben! Es ist das erste Mal, seit ich 2012 an Nasenkrebs erkrankte, dass ich es mit emphatischen und kompetenten Ärzten zu tun habe. Beide haben so eine stille Autorität, will heissen, sie gehen, wenn es geht, auf die Wünsche der Patienten ein. Wenn es aber Wünsche sind, die nicht möglich sind, sagen sie dies klipp und klar und begründen auch warum. Man hat vor solchen Ärzten grossen Respekt aber keine Angst.

Ich hoffe einfach, dass man bald eine Lösung findet, damit die Nasenatmung funktioniert. Eine Nase durch die man nicht atmen kann, ist wie ein Auto ohne Motor.

Nach vier Wochen konnten meine Nase und ich das Spital wieder verlassen. Nun bin ich zu Hause und werde von meinem Mann verwöhnt und erhole mich.

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